Erster Deutscher Weiterbildungstag am 15.06.07;
Fachkräftebedarfe können in Sachsen-Anhalt nicht mehr befriedigt werden
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Stärkere Nutzung der Förderung beruflicher Weiterbildung unumgänglich


12. Juni 2007


Sehr geehrte(r) Frau/Herr ………. ,

wie Sie der diesem Schreiben beigefügten Broschüre entnehmen können, findet am 15. Juni 2007 unter der Schirmherrschaft unseres Bundespräsidenten Horst Köhler der 1. Deutsche Weiterbildungstag unter dem Motto „weiter mit Bildung“ statt. An diesem Tag werden bundesweit in ca. 1.000 Orten und Regionen Aktionen stattfinden, die auf die Wichtigkeit des Lebenslangen Lernens – und hier insbesondere auf die berufliche Weiterbildung – hinweisen sollen.

Dass diese Vorgehensweise insbesondere ein dringendes volkswirtschaftliches Erfordernis ist, zeigen auch in Sachsen-Anhalt unsere Beobachtungen der vergangenen Monate sehr nachdrücklich. Noch vor kurzer Zeit konnte unser Land bei potentiellen Investoren vor allem mit Verweis auf die hier vorhandenen gut qualifizierten Fachkräfte punkten. Inzwischen wird es laut Wirtschaftsminister Dr. Reiner Haseloff für Firmen zunehmend schwierig, offene Stellen mit geeignetem Personal zu besetzen. Nach Berichten der „Mitteldeutschen Zeitung“ zog sich beispielsweise der Bochumer Maschinenbauer Eickhoff, der im Saalkreis eine neue Getriebefabrik ansiedeln wollte, mit seinem Vorhaben aus Sachsen-Anhalt zurück, weil er hier nicht mehr das gewünschte Personal gefunden hat. Ähnliche Beispiele lassen sich leider auch in anderen AA-Bezirken unseres Landes, beispielsweise in der Chemieregion Leuna-Merseburg, finden.

Gleichzeitig beklagt laut „Volksstimme“ vom 01.06.07 Wolfgang Meyer, Chef der größten Arbeitsagentur Sachsen-Anhalts, dass die Langzeitarbeitslosen vom wirtschaftlichen Aufschwung kaum profitieren würden.

Während sich die Anteile der Kurz- und Langzeitarbeitslosen im AA-Bezirk Magdeburg noch vor wenigen Monaten die Waage gehalten hätten, würden die Langzeitarbeitslosen hier inzwischen einen Anteil von etwa 70 Prozent ausmachen. Diese Langzeitarbeitslosen aber könne man – so Herr Meyer laut „Volksstimme“ – oft nur noch in „Ein-Euro-Jobs“ vermitteln (Anmerkung: Dies ist eine Entwicklung, die auch in den anderen  AA-Bezirken Sachsen-Anhalts zu beobachten ist).

Folgt man diesen Worten, verwundert es nicht, dass im gesamten Jahr 2006 im AA-Bezirk Magdeburg mit über 42.000 Arbeitslosen (Stand Dezember 2006) auf 1.162 Neueintritte von Arbeitslosen in Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung (im Jahr 2005 waren es sogar nur 341 Arbeitslose!), insgesamt 12.952 Neueintritte in die sog. 1-Euro-Jobs (2005: 12.741), für die die Arbeitslosengeld-II-Träger zuständig sind, kamen.

Liegt nicht die Ursache für den in vielen Bereichen inzwischen spürbaren Fachkräftemangel auch in der insbesondere in den Jahren 2002 bis 2005 drastischen und systematischen zurückgefahrenen Nutzung des Arbeitsmarktinstruments Förderung der beruflichen Weiterbildung? Viele Kurzzeitarbeitslose sind in diesem Zeitraum wohl erst so zwangsläufig zu Langzeitarbeitslosen geworden.

Auch wenn hier seit dem Jahr 2006 eine leichte Trendwende zu beobachten ist – was ja zuletzt auch die Bundesregierung in ihren Antworten 16/5458 und 5459 auf zwei Anfragen der Bundestagsfraktion DIE LINKE darstellte – greifen die Arbeitsagenturen und ARGE´n auf die Ausgabe von Bildungsgutscheinen noch immer deutlich reservierter zurück als auf die Nutzung anderer Arbeitsmarktinstrumente, die eine sehr viel geringere Integrationswahrscheinlichkeit  als die zielgerichtete berufliche Weiterbildung aufweisen.

Zudem werden die zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel oft nur unzureichend durch die zuständigen Arbeitsagenturen und ARGE´n genutzt, wie in der Antwort 16/5459 (Antwort zu Frage 5) auch die Bundesregierung einräumen musste. So seien aus den im Eingliederungstitel im Jahr 2006 vorhandenen Mitteln bundesweit etwa 21 Prozent ungenutzt geblieben.

Ich denke, dass das Grundproblem – einerseits der ständig steigende Arbeitskräftebedarf, andererseits die relativ beständige Zahl von Langzeitarbeitslosen - inzwischen von den Entscheidungsträgern beispielsweise in der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt/Thüringen erkannt worden ist. Nicht umsonst wurde von dort angekündigt, dass bereits in diesem Jahr eine Bildungsoffensive unter den Arbeitslosen starten solle und – angesichts der bei den Langzeitarbeitslosen inzwischen oftmals fehlenden Vorkenntnissen – auch wieder zeitlich intensivere Weiterbildungsmaßnahmen gefördert werden müssten.

Diese Schlussfolgerungen kommen aus unserer Sicht bis jetzt bei den regionalen Entscheidern jedoch oft nur unzureichend an, da es für diese noch immer leichter zu handhaben ist, einem Arbeitslosen z. B. einen „1-Euro-Job“ zuzuweisen, als diesen auf die Möglichkeit der beruflichen Weiterbildung aufmerksam zu machen.

Daher bitte ich Sie, den Weiterbildungstag am 15.06.07 zu nutzen, um sich über diese Thematik noch tiefgründiger zu informieren sowie Ihren Beitrag zu leisten, um für die Nutzung beruflicher Fort- und Weiterbildung intensiv zu werben und die gesetzlichen Rahmenbedingungen weiter zu verbessern.

Ich danke Ihnen schon jetzt für Ihr Interesse und Ihre Unterstützung.

 Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Banse
- Geschäftsführer -


Verteiler:

- Bundestagsabgeordnete Sachsen-Anhalts

- Vorsitzende der Landtagsfraktionen Sachsen-Anhalts