Die richtige Antwort auf den Fachkräftemangel:
Aus- und Weiterbildung“;
Geschäftspolitik der Bundesagentur für Arbeit



15. Dezember 2008


Sehr geehrter Herr Minister,

im Bewusstsein, dass es wohl eher unüblich ist, dass sich der Vertreter eines Landesverbandes direkt an Sie wendet, möchte ich dennoch diesen Versuch wagen.

Grund hierfür ist eine von Ihnen am 06.06.08 anlässlich des „7th Munich Economic Summit“ gehaltene – aus meiner Sicht höchst bemerkenswerte – Rede, auf die ich leider erst vor wenigen Tagen aufmerksam wurde, als ich auf der Homepage des BMAS in einer anderen Angelegenheit recherchierte.

Ich erlaube mir, zunächst einige Passagen aus Ihrer Rede, die unter der Überschrift „Die richtige Antwort auf den Fachkräftemangel: Aus- und Weiterbildung“ stand, kurz zu wiederholen:

„Als Arbeitsminister lassen mich die bisher vereinzelten Klagen über den Fachkräftemangel an ein Horrorszenario im nächsten Jahrzehnt denken: Mich treibt die schreckliche Vorstellung um, in wenigen Jahren zwei Dinge zugleich beklagen zu müssen: Fachkräftemangel und hohe Arbeitslosigkeit. Irgendwann im Jahre 2012 oder 2015 findet dann vor dem Brandenburger Tor eine Massendemonstration deutscher Arbeitgeber für mehr Zuwanderung statt, während wir gleichzeitig eine hohe Arbeitslosigkeit zu bekämpfen haben. …

Wir müssen dafür sorgen, dass alles das, was vorhanden ist an Kraft und Talent, in unserer Volkswirtschaft auch zur Entfaltung kommt! …

Es muss für jeden und jede immer wieder neue Chancen geben, eine Verbesserung der eigenen Qualifikation zu erreichen. Damit das im Einzelfall funktioniert, muss unsere Gesellschaft signalisieren, dass nicht nur der, der mit besonderem Talent gesegnet ist, sondern jeder, der sich anstrengt, eine Chance hat, seine Lebensumstände zu verbessern. Wer sich Mühe gibt, darf nicht auf unüberwindbare Hürden stoßen.

Eine Diskussion über den Fachkräftebedarf in Deutschland, die beiseite lässt, dass wir große Potenziale im Land haben, die wir nutzen können, kann zu keinem vernünftigen Ergebnis kommen. Bevor wir über Zuwanderung sprechen, müssen wir das Mögliche dafür tun, die inländischen Qualifikations- und Fachkräftepotenziale optimal zu nutzen. …

Wir haben keinen Arbeitskräftebedarf unterhalb akademischer Qualifikation in Deutschland, den wir nicht selber decken können.

Zum ersten Mal seit langem haben jetzt auch Langzeitarbeitslose die Chance, in den Arbeitsmarkt hineinzukommen. Diese Situation wollen wir nutzen. Es gilt, sich jetzt um diejenigen zu kümmern, die schon lange Zeit Arbeit suchen.“


Sehr geehrter Herr Minister,

ich möchte zunächst betonen, dass unser Landesverband, dem aktuell ca. 160 Mitgliedseinrichtungen angehören, von denen sehr viele als Erwachsenenbildungsdienstleister tätig sind, Ihre o.g. Ausführungen außerordentlich begrüßt.

Auch wenn seit Ihrer Rede inzwischen einige Monate vergangen sind und sich aktuell Politik und Wirtschaft mit den Auswirkungen der „Bankenkrise“ intensiv auseinandersetzen müssen, hat der Inhalt Ihrer Ausführungen nichts von seiner Aktualität verloren. Schon allein aufgrund der dramatischen demografischen Entwicklung (die insbesondere die neuen Bundesländer betrifft), wird es aus unserer Sicht zur Überlebensfrage vor allem auch für die klein- und mittelständischen Unternehmen, ob sie auch weiterhin auf die von ihnen benötigten Fachkräfte zurückgreifen können. Selbstverständlich sind deshalb zunächst einmal die Unternehmen – schon aus eigenem Interesse – selbst in der Pflicht, ihre schon vorhandenen Fachkräfte kontinuierlich zu qualifizieren und beispielsweise auch älteren Bewerbern oder Langzeitarbeitslosen Beschäftigungschancen zu ermöglichen.

Wie Sie es aber sicherlich auch selbst sehen werden, sind hierbei in einem nicht unerheblichen Maße unterstützend auch die Politik und die (wie auch immer organisierte) Arbeitsverwaltung gefordert, um den Standort „Deutschland“ zu sichern und zu stärken sowie die sozialen Sicherungssysteme nachhaltig weiter zu entlasten.

Leider spielt jedoch das Arbeitsmarktinstrument „Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW)“ nur (noch) eine sehr untergeordnete Rolle in der Geschäftspolitik der meisten Arbeitsagenturen sowie Arbeitsgemeinschaften (ARGEn) Deutschlands und vor allem auch Sachsen-Anhalts.

    Lassen Sie mich dies an einigen Fakten kurz darstellen:


Sehr geehrter Herr Minister,

ich habe Ihnen diese Beispiele benannt, weil ich Sie bitten möchte, dass Ihr Haus künftig noch mehr und deutlicher als bisher – insbesondere auch gegenüber den Arbeitslosengeld-I-und-II-Trägern – die Wichtigkeit der Förderung der beruflichen Weiterbildung betonen sollte. Dabei gilt es einige gesetzliche Hürden aus dem Weg zu schaffen, aber auch darauf zu schauen, zu welchen langfristigen volkswirtschaftlichen Auswirkungen die Geschäftspolitik der Bundesagentur für Arbeit führt. Nur so kann aus unserer Sicht das von Ihnen befürchtete Szenario im Jahr 2012 oder 2015 tatsächlich abgewendet werden. Sie haben schließlich in Ihrer Rede völlig zu Recht betont, dass es bei der Qualifizierung von Arbeitslosen inzwischen nicht mehr vorrangig um die Umsetzung sozialpolitischer Ziele geht, sondern dass diese Weiterbildungen vor allem wirtschaftspolitisch alternativlos sind.


Ich danke Ihnen für Ihr Interesse an dieser Darstellung und stehe Ihnen bzw. Ihren Mitarbeitern für Rückfragen selbstverständlich gern zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Jürgen Banse
– Geschäftsführer –

 

 

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