VDP - Pressemitteilung

 

Pressemitteilung des VDP Sachsen-Anhalt vom 03. August 2005

Trotz steigender Arbeitslosenzahlen: Anzahl der geförderten Weiterbildungsteilnehmer sinkt in Sachsen-Anhalt um mehr als 20 Prozent im Vergleich zum Vormonat

Das Förderinstrument der beruflichen Weiterbildung für Arbeitsuchende (FbW) ist in Sachsen-Anhalt praktisch abgeschafft: laut Angaben der Bundesagentur für Arbeit befanden sich im Juli in Sachsen-Anhalt nur noch 3839 Arbeitsuchende in derartigen Bildungsmaßnahmen. Dies sind ca. 20 Prozent weniger als noch einen Monat zuvor. Gerade einmal einem Prozent aller Arbeitsuchenden in Sachsen-Anhalt wird so noch die Möglichkeit gegeben, neue berufsbezogene Kenntnisse und Fertigkeiten zu erlangen, mit denen sie eine reale Chance haben, um wieder einen Job zu bekommen.

Seit September 2002 (Monat nach Verkündung der sog. Hartz-Reformvorschläge) hat sich die Anzahl der Weiterbildungsteilnehmer in Sachsen-Anhalt von 27 894 auf 3 839 (= - 86,2 %) reduziert (bundesweit von 345 972 auf 99 448 = - 71,3 %).
Der hieraus folgende Effekt ist deutlich spürbar: Im selben Zeitraum erhöhte sich die Anzahl der Arbeitslosen in Sachsen-Anhalt von 248 118 auf 366 916 (= + 47,9 %), im Bund von 3 941 832 auf 4 772 082 (= + 21,1 %).


Nach Auffassung von Peter Susat, Vorsitzender des VDP Sachsen-Anhalt, besteht zwischen diesen Entwicklungen ein direkter Zusammenhang: „Mit der beruflichen Weiterbildung wird das Arbeitsmarktinstrument systematisch zerschlagen, mit dessen Hilfe viele Arbeitsuchende am effizientesten und nachhaltigsten wieder in Arbeit integriert werden können. Die stattdessen vorrangig eingesetzten neuen „Hartz-Instrumente“, wie z. B. die Personal-Service-Agenturen, haben sich dagegen in der Praxis fast ausschließlich als Flops erwiesen. Erfolgreiche Jobvermittlungen finden so trotz eines bereits bestehenden Facharbeitermangels immer seltener statt. Auch mit inzwischen wieder deutlich verstärkten AB-Maßnahmen und 1- €-Jobs kann dieses Problem nicht gelöst werden.“.

Obwohl in Politik und Wirtschaft immer wieder der hohe Stellenwert der berufli-chen Weiterbildung betont wird, trotz des schon vorhandenen und absehbaren massiven Fachkräftemangels und der wegen der fehlenden Vermittlung immer stärkeren Belastung der sozialen Sicherungssysteme ist ein Ende der Talfahrt in der beruflichen Weiterbildung nicht abzusehen. Mit Blick auf die Bundestagswahl appelliert daher der VDP Sachsen-Anhalt an alle Bundestagskandidaten, sich verstärkt für Finanzierungsmöglichkeiten des Lebensbegleitenden Lernens auch für sozial Schwächere einzusetzen.

Verantwortlich für diese Pressemitteilung:

Jürgen Banse
Geschäftsführer VDP Sachsen-Anhalt