VDP - Pressemitteilung

 

Pressemitteilung des VDP Sachsen-Anhalt vom 05. Dezember 2005

Neue Verordnung droht Qualifizierungsmöglichkeiten für Arbeitslose weiter zu verschlechtern

Der Verband deutscher Privatschulen (VDP) Sachsen-Anhalt e. V. befürchtet hinsichtlich der beruflichen Weiterbildung für Arbeitslose ab dem 01.01.06 eine kaum noch beherrschbare und planbare Entwicklung für alle Beteiligten.

Hintergrund hierfür ist die sogenannte Anerkennungs- und Zulassungsverordnung- Weiterbildung (AZWV), die mit dem neuen Jahr in Kraft tritt. Danach kann für Arbeitslose eine berufliche Weiterbildung durch die Bundesagentur für Arbeit oder die Arbeitslosengeld-II-Träger nur noch dann gefördert werden, wenn die Weiterbildung bei zuvor nach der AZWV zertifizierten Trägern und in gleichfalls extra zertifizierten Bildungsgängen stattfindet. Die Bildungseinrich-tungen sind deshalb gezwungen, sich von sog. fachkundigen Stellen sehr kostenaufwendig selbst dann nach der neuen AZWV zertifizieren zu lassen, wenn sie schon seit Jahren nach einem anerkannten Qualitätsmanagementsystem arbeiten.

Völlig unklar ist jedoch, ob in den von den Trägern zur Zertifizierung eingereichten Bildungsgängen jemals tatsächlich Arbeitslose tätig werden können, da die Zulassungen der Bildungsgänge durch die fachkundigen Stellen unabhängig von den Bildungszielplannungen und dem finanziellen Budget beispielsweise der Arbeitsagenturen erfolgen. Die Arbeitsagenturen und Arbeitsgemeinschaften bzw. Optionslandkreise fördern zudem die Arbeitslosen im Regelfall nur mit einem durchschnittlichen Stundenkostensatz, der auf der Annahme kalkuliert wurde, dass sich zeitgleich bei der gleichen Bildungseinrichtung 18 bis 20 Arbeitslose im gleichen Bildungsgang qualifizieren. Seit längeren geben aber die Arbeitsagenturen nur noch sehr zurückhaltend einzelne Bildungsgutscheine für unterschiedliche Bildungsgänge und -module aus.

Seit Inkrafttreten der sog. Hartz-Reformgesetze ist die Anzahl der geförderten Weiterbildungsteilnehmer in Sachsen-Anhalt von durchschnittlich knapp 30.000 Teilnehmern, deren berufliche Weiterbildung kontinuierlich gefördert wurde, zeitweise auf unter 4.000 Teilnehmer gesunken.

„Bei dieser unklaren Auftragslage und dem durch die AZWV weiter steigendem finanziellem Risiko ziehen sich immer mehr Anbieter aus dem Bereich der geförderten beruflichen Weiterbildung von Arbeitslosen zurück. Arbeitslose werden so immer größere Schwierigkeiten bekommen, einen Bildungsgutschein bei einer Weiterbildungseinrichtung überhaupt noch einlösen zu können.

Eine berufliche Qualifikation ist aber insbesondere für Langzeitarbeitslose oft eine Grundvoraussetzung, um auf dem Arbeitsmarkt wieder eine Chance zu haben. Auch ist unklar, wie Bildungseinrichtungen und Arbeitsagenturen bzw. die Arbeitsgemeinschaften kurzfristig auf besondere Bedarfe der Wirtschaft reagieren sollen, wenn entsprechende Bildungsgänge erst noch zertifiziert werden müssen.“, so Lotti Hollmann, Vorsitzende des VDP Sachsen-Anhalt.

Verantwortlich für diese Pressemitteilung:

Jürgen Banse
Geschäftsführer VDP Sachsen-Anhalt