VDP - Pressemitteilung

 

Pressemitteilung des VDP Sachsen-Anhalt vom 19. Juli 2006

Bundesweit stärkster Rückgang der Förderung der beruflichen Weiterbildung in Sachsen-Anhalt

Der VDP Sachsen-Anhalt macht darauf aufmerksam, dass der prozentuale Rückgang der von der Bundesagentur für Arbeit und seit Januar 2005 auch von den Arbeitsgemeinschaften bzw. optierten Landkreisen finanzierten Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) seit dem Jahr 2000 in Sachsen-Anhalt am gravierendsten ausfiel.

Der Rückgang betrug hier im März 2006 (gemessen an den Teilnehmerzahlen des März 2000) knapp 87 Prozent (siehe Anlage). Befanden sich in Sachsen-Anhalt im März 2000 noch insgesamt 31.646 Arbeitslose in derartigen Bildungsmaßnahmen, so waren es im März 2006 gerade einmal noch 4.318. Darüber hinaus ist auch die durchschnittliche Dauer derartiger Bildungsmaßnahmen in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Komplette Umschulungsmaßnahmen beispielsweise finden kaum noch statt, selbst wenn in vielen Branchen (auch in Sachsen-Anhalt) – wie z. B. im Gesundheits- und Pflegebereich – händeringend Fachkräfte gesucht werden. Erst kürzlich wurde wieder von Maschinenbauunternehmen darauf hingewiesen, dass sie kaum noch das von ihnen dringend benötigte Fachpersonal auf dem Arbeitsmarkt finden würden.

„Auch Metall – und Elektrounternehmen suchen immer wieder neue Mitarbeiter, z. B. Schweißer oder CNC-Fachleute.“, so Manfred Zimmer, Vorsitzender des VDP Sachsen-Anhalt. „Trotzdem werden kaum Bildungsgutscheine durch die zuständigen Einrichtungen an die Arbeitslosen ausgegeben – dies kann so nicht weitergehen. Durch eine derartige Arbeitsmarktpolitik werden Unternehmen zunehmend dazu gezwungen, Fachkräfte im Ausland anzuwerben, während gleichzeitig die Anzahl der Langzeitarbeitslosen zu Lasten der sozialen Sicherungssysteme immer weiter wächst.“, so nochmals Zimmer.

Der undifferenzierte Rückgang der Teilnehmer an FbW-Maßnahmen war bundesweit damit begründet worden, dass die Arbeitsagenturen die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel effizienter einsetzen müssten. Tatsächlich bescheinigen jedoch inzwischen immer häufiger seriöse Untersuchungen, dass durch kaum ein anderes Arbeitsmarktinstrument ähnlich viele Arbeitslose in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen vermittelt werden wie nach einer beruflichen Weiterbildung. Dennoch setzen die verantwortlichen Stellen in Sachsen-Anhalt immer stärker auf einen öffentlich geförderten (sog. dritten) Arbeitsmarkt, wie z. B. auf Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) und Arbeitsgelegenheiten (1-€-Jobs). Im März diesen Jahres begannen so in Sachsen-Anhalt im Vergleich zu den Neueintritten in der beruflichen Weiterbildung etwa dreimal so viele Teilnehmer mit AB-Maßnahmen und sogar etwa elfmal so viele Arbeitslose mit 1-€-Jobs. Gerade aber bei derartigen Maßnahmen prognostizieren viele Experten eher konkrete Gefährdungen von bereits bestehenden regulären Arbeitsplätzen.

Verantwortlich für diese Pressemitteilung:

Jürgen Banse
Geschäftsführer VDP Sachsen-Anhalt






Anlage zur Pressemitteilung des VDP Sachsen-Anhalt vom 19. Juli 2006

Bundesweite Entwicklung der Anzahl der Teilnehmer an Maßnahmen der beruflichen Weiterbildung (FbW) nach dem SGB III bzw. ab 01.01.2005 zusätzlich nach dem SGB II

Quelle: Statistische Angaben der Bundesagentur für Arbeit

Bundesland
Teilnehmer-
bestand
im
März 2000
Teilnehmer-
bestand
im
März 2001
Teilnehmer-
bestand
im
März 2002
Teilnehmer-
bestand
im
März 2003
Teilnehmer-
bestand
im
März 2004
Teilnehmer-
bestand
im
März 2005
(SGB II+III)
Teilnehmer-
bestand
im
März 2006
(SGB II+III)
Abnahme
um
Baden-Württemberg
27.501
25.707
22.800
19.489
13.271
8.634
7.869
71,39%
Bayern
38.527
38.490
32.174
24.699
23.664
15.686
16.323
57,63%
Berlin
16.948
22.400
21.604
15.674
10.203
6.989
7.781
54,09%
Brandenburg
22.384
23.571
24.006
17.219
10.701
6.677
5.265
76,48%
Bremen
2.759
2.755
2.986
2.971
2.101
1.214
1.612
41,57%
Hamburg
7.966
7.852
7.775
5.855
4.535
1.706
1.612
79,76%
Hessen
18.697
20.521
18.268
16.452
11.948
6.829
4.031
78,44%
Mecklenburg-Vorpommern
18.334
18.235
18.611
12.740
8.513
4.965
6.626
63,86%
Nordrhein-Westfalen
55.802
64.531
59.546
53.091
37.697
22.503
20.124
63,94%
Niedersachsen
28.479
30.300
30.153
26.023
20.520
12.081
13.160
53,79%
Rheinland-Pfalz
10.271
11.745
11.556
10.679
6.950
3.903
3.531
65,62%
Saarland
4.013
4.149
3.726
3.180
2.203
1.352
2.463
38,62%
Sachsen
34.305
35.923
31.488
26.369
15.196
8.103
7.191
79,04%
Sachsen-Anhalt
31.646
30.316
28.116
21.127
13.002
5.385
4.318
86,36%
Schleswig-Holstein
9.315
10.399
10.358
9.010
6.627
3.870
3.178
65,88%
Thüringen
22.552
23.187
21.642
19.233
12.425
6.108
4.766
78,87%
Deutschland Gesamt
349.499
370.081
344.809
283.811
199.556
116.005
109.850
68,57%